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»Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde ...« tönt es im Advent und zu Weihnachten aus den Kirchen Deutschlands, ja der ganzen Welt.


Im Rahmen des Projektes fanden drei Konzerte, am 29.11.2019 in der Heilandskirche Leipzig, am 30.11. in der Petruskirche Halle und am 01.12. in der Annenkirche Dresden. Die Konzerte erfüllten einen hohen künstlerischen Anspruch und wurden vom Publikum sehr positiv aufgenommen.

Fotogalerie

Fotos: Julia Sander

Konzertmitschnitt

Annenkirche Dresden am 01.12.2019

Barockorchester

Violine Dora Alexiadou, Ian Carlos Herrera
Viola Pouria Kiani
Violoncello Marius Harren
Blockflöte Margot Simon, Janne Munkwitz
Theorbe / Laute Matthias Otto
Cembalo Christiane Kämper

Ensemble voicemade

Ensemble Voicemade

Ensemble Voicemade

Die Begeisterung für a-Cappella-Musik führte 2017 sechs junge Sängerinnen und Sänger zusammen. Geprägt durch die Breite der Leipziger Chorlandschaft – Thomanerchor, amici musicae, Opernjugendchor und schola cantorum – widmen sich die jungen Musiker einem bunten musikalischen Spektrum.

Neben einem Weihnachts- und einem Passionsprogramm brachte das Ensemble bisher ein weltlich-beschwingtes Repertoire von Madrigalen der Renaissance bis zu den Beatles auf die Bühne. Regelmäßig tritt voicemade bei verschiedenen privaten Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern und Empfängen auf. Zudem sang das Ensemble im Juni 2018 im Rahmen der Bachspiele Leipzig und gewann beim Straßenkunstwettbewerb im Rahmen des Passagenfestes 2018 den 2. Preis.

https://voicemade-ensemble.com/

Projektinfo

In Bachs berühmtem Weihnachtsoratorium spielen die Hirten eine enorm wichtige Rolle, sie sind die ersten Menschen an der Krippe des kleinen Jesuskindes, Zeugen der Geburt des Gottessohnes. Zu Weihnachten wird jeder Mensch zum Hirten, erschrickt vor der Pracht der Engel, bezeugt die Geburt Jesu und verkündet die frohe Botschaft in alle Welt. Diese Hirtenweihnacht ist Antrieb und Herz des Programms »Pastorale«.

Andreas Hammerschmidt (1611-1675), ein Meister der frühbarocken Vokalmusik, komponierte in seinen »Fest- und Zeitandachten« auch ein sehr abwechslungsreiches Magnificat. »Meine Seele erhebt den Herrn«, der Lobgesang der Maria stößt die musikalische Tür auf zum Konzertabend im Zeichen des Weihnachtswunders.

»O Jesu amantissime – o liebevollster Jesus« ruft der sehnsüchtige Gläubige dem Himmel entgegen. André Campra (1660-1744) zeichnet in seiner Motette mit feinem Pinsel die Gestalt des liebenden Jesus(kindes). Stilistisch variabel und ungemein klangfarbenfroh dringt jeder Ton bis ins Herz.

Das »Concerto pastorale« von Johann Christoph Pez (1664-1716) ist ein wunderbares Kleinod der deutschen Barockmusik. Der heute nahezu unbekannte Komponist Pez war zu Lebzeiten hochgeachtet, als Musiker am Hof in München, Bonn, Lüttich und Stuttgart waren seine Werke bis in die Niederlande und nach Großbritannien verbreitet. Auch seine Zeitgenossen Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann schätzten Pez Werke und führten sie wiederholt auf. Das »Concerto pastorale« begeistert mit einer unnachahmlichen Mischung italienischer Ausdruckskunst mit französischer Anmut. Dieses »Hirtenkonzert« schwört mit seinem tänzerisch leichten Charakter, seinen einprägsamen und gefälligen Melodien die freudig besinnliche Atmosphäre des ursprünglichen Weihnachtsfests herauf.  

Titelgebend ist ein großartiges Werk aus der Feder des französischen »Barockstars« Marc-Antoine Charpentier (1643-1704), die »Pastorale sur la naissance de N.S.J.C.« (H483). Die Hirtenmusik ist erfrischend vielgestaltig. Aus dem sechsstimmigen Vokalensemble treten immer wieder Solisten hervor, gestützt auf ein groß besetztes Basso continuo und geschmückt durch das feine Spiel zweier Violinen und Blockflöten. Die wechselnden Besetzungen erschaffen ein lebendiges Bild der heiligen Nacht. Einfache, fast volkstümliche Melodien treffen auf  akribisch ausgearbeitete Virtuosität. Für seine reiche Mäzenin Mademoiselle de Guise komponierte Charpentier 1684 zwei Fassungen der Pastorale (H 482 und H 483). Die ersehnte Anstellung am französischen Königshof blieb ihm jedoch zeitlebens verwehrt. Charpentiers vor allem italienischen Einflüssen offener Stil gefiel der von Lully geprägten Musikszene in Frankreich nicht immer. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das beeindruckende Œu­v­re Charpentiers in Vergessenheit geraten. Mit der Aufführung der Pastorale bietet sich die wunderbare Gelegenheit, einem genialen Komponisten die Ehre zu erweisen, die ihm solange verwehrt blieb, zumal Charpentiers Werke –speziell die Pastorale– in Deutschland selten bis gar nicht gespielt werden.

»Pastorale: Hirtenweihnacht« vereint angehende NachwuchskünstlerInnen und professionelle MusikerInnen aus ganz Deutschland. Die SängerInnen des Leipziger Vokalsextett »voicemade«, ein Instrumentalensemble des Netzwerk Alte Musik e.V., Musikwissenschaftler, Grafikdesigner und Kulturmanager unter der Schirmherrschaft des Vereins Netzwerk Alte Musik treten bei diesem Projekt gemeinsam für die Pflege selten gespielter und nahezu unbekannter Musikschätze ein.